Turnhallenstreit : Leserbrief des Architekten Kimberger im SR-Tagblatt am 15.8.2008

"Das Wunder von Mitterfels" : Zum Artikel "Rechtsstreit um Turnhallenbau beigelegt" in der Ausgabe vom 6. August

 Im Artikel sind einige Passagen missverständlich, weshalb erst einmal der zeitliche Ablauf des Projektes Turnhallenneubau und Schulhausanbau aufgezeigt werden muss. 1996 habe ich den Einladungswettbewerb bezüglich des Turnhallenbaus in Mitterfels gewonnen. In den folgenden fünf Jahren wurde deshalb von mir die Grundlagenermittlung gemacht, zweimal ein Eingabeplan erstellt. Für diese Arbeiten war ich in verschiedenen Gemeinderatssitzungen mündlich beauftragt worden. Als offizieller Architekt habe ich somit an den Verhandlungen mit der Regierung teilgenommen. Ein schriftlicher Vertrag für die ersten vier Leistungsphasen lag mir ab Ende 2001 vor. Im Jahr 2000 wurde ich gebeten, den Auftrag Schulanbau und Turnhallenneubau zu teilen und den Auftrag für die Schule an den Bruder des 2. Bürgermeisters abzugeben. Diesem Wunsch habe ich entsprochen. Nach den Wahlen 2002 hat der Mitterfelser Marktgemeinderat einen weiteren Kontakt mit mir abgelehnt.

Was Wunder, dass sich der Herr Studiendirektor heute nicht mehr dran erinnern kann, dass wir deshalb nachträglich zum Architektenwettbewerb eingeladen worden waren, weil die drei zuerst eingeladenen Architekten für einen legalen Wettbewerb zu wenig waren.

Was Wunder, dass sich heute niemand daran erinnert, dass der ebenfalls geladene Bruder des 2. Bürgermeisters rund acht Wochen nach Abgabetermin im Dezember 1996 seinen Entwurf erst Ende Januar abgab und dieser dennoch gewertet wurde. Der damalige Marktgemeinderat Eberhardt war übrigens nicht in der Wettbewerbsjury, wie der Artikel möglicherweise suggerieren könnte, sondern nur unabhängiger Abteilungsleiter der Regierung und des Landratsamtes.

Was Wunder, dass sich keiner der an den Sitzungen teilnehmenden Marktgemeinderäte an die getroffenen Absprachen und die mir gegebenen Zusagen erinnern kann.

Was Wunder, dass die "Verträge Kimberger" fast vier Jahre Bearbeitung brauchten, der des Bruders des 2. Bürgermeisters bezüglich des Schulanbaus innerhalb von vier Wochen vom Marktgemeinderat beschlossen wurde.

Was Wunder, dass bereits zur Entwurfsplanung im Jahre 1999 ein mir bis zur Gerichtsverhandlung nicht bekannter Gemeinderatsbeschluss zur Vergabe der Leistungsphasen fünf bis acht für den Bau der Doppelturnhalle an den Bruder des 2. Bürgermeisters vergeben war.

Was Wunder, dass sich heute keiner mehr erinnern kann, dass die viel gescholtene Kostenexplosion auf eine vom Gemeinderat beschlossene Mehrplanung einer Doppelturnhalle als Mehrzweckhalle, Schützenstand und Vereinsheim, Jugendheim und EDV-Räume, Übergang zur Schule und Umbau der Lehrerzimmer, Sanierung der alten Turnhalle und Neubau von Klassenräumen zurückzuführen war.

Was Wunder, dass nach sieben Jahren die angeblich nie vom Architekturbüro erarbeiteten und bei Gericht von allen Gemeinderäten (obwohl zur Genehmigung vorgelegt) und Sportvorständen sowie dem Schulleiter bestrittenen Werkpläne dann doch eine Woche vor dem Termin Oberlandesgericht plötzlich in der Gemeinde aufgetaucht sind.

Was Wunder, dass noch beim Gerichtstermin gesagt wurde, dass die Turnhalle wegen Geldmangels nicht gebaut werden kann.

Was Wunder, dass nun plötzlich die Finanzierung steht.

Was Wunder, dass der Anwalt der Gemeinde den Architekten nach Vergleich schriftlich um Übergabe der stets bestrittenen Leistungsphasen fünf und sechs der Verträge gebeten hat, damit der Gemeinde Kosten gespart werden können.

Übrigens: Ich habe mich trotz der hohen Ausgaben vor Gericht zu einem nicht einmal kostendeckenden Vergleich überreden lassen.

Dieter Kimberger Architekt, Straubing

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