Schulamtsdirektor Pannermayr treibt Mittelschulreform im Landkreis weiter nach vorne

Reform soll für Bildungsgerechtigkeit sorgen - Schulamtsdirektor Pannermayr treibt Mittelschulreform im Landkreis weiter nach vorne

Es bleibt alles beim Alten und doch auch wie­der nicht: Gleich geblieben ist die Anzahl der Hauptschulen im Land­kreis, und auch die Fahrten inner­halb ihres Schulverbundes würden für viele Schüler vorerst kaum häu­figer, sagt Schulamtsdirektor Ludwig Pannermayr.

Auf alle Fälle än­dern sich einige Schulsprengel, und nicht zuletzt soll die Qualität des Schulabschlusses und damit das An­sehen der Absolventen in der Gesell­schaft deutlich verbessert werden. "Jeder Hauptschüler muss Zugang zu allen Angeboten der Hauptschule haben", fordert er deshalb und ver­spricht "wir werden die Hauptschü­ler individuell besser fördern."

"Es gibt Fakten, an denen kommt niemand vorbei", erklärt Pannermayr. Seit Monaten tingelt der Schulamtsdirektor durch den Land­kreis und versucht bei Informations­veranstaltungen, den Bürgermeis­tern und Schulleitern ebenso wie den Eltern die Hauptschulreform schmackhaft zu machen. Dabei baut er hauptsächlich auf ein Argument: sinkende Schülerzahlen. Und er ver­traut auf eines: Ehrlichkeit.

 

Im Landkreis haben sich vier Schulverbünde gebildet

Inzwischen haben sich fünf Schulverbünde - inklusive des gro­ßen Verbunds in der Stadt Strau­bing - herauskristallisiert. Panner­mayr hofft, dass sich auch die vier Wackelkandidaten Salching, Leibl­fing, Feldkirchen und Mallersdorf-­Pfaffenberg noch im Januar ent­scheiden werden. Schließlich wolle er mit allen Schulverbünden zum kommenden Schuljahr 2010/2011 die Mittelschul-Ära beginnen.

Dass es bis dahin ein weiter Weg ist, verhehlt er nicht. Dennoch gebe es bereits einen festen Zeitstrahl. So sollen bis Ende Januar die vom Kul­tusministerium erarbeiteten Musterkooperationsverträge veröffent­licht und an die Gemeinden weitergegeben werden. Deren Aufgabe sei es dann, die Verträge an deren eige­ne Situation anzupassen. Danach müssten, falls notwendig, die Spren­gel geändert werden. "Dann kann's losgehen." Im Jahresverlauf werde sich bestimmt noch das eine oder andere Unerwartete ergeben. "Über die Folgejahre sicherlich auch."

 

„Wir müssen die Kinder fördern, fördern, fördern"

Vorerst aber ist Pannermayr mit den Ergebnissen sehr zufrieden. "Vorerst" deshalb, weil diese orga­nisatorischen Notwendigkeiten für den Schulamtsdirektor nur die Rah­menbedingungen darstellen: Des­halb möchte er jetzt so schnell wie möglich auf die Inhalte der Reform schauen. "Wir müssen die Kinder „fördern, fördern und nochmals för­dern." Und so liegt ihm die soge­nannte Modulation besonders am Herzen. Gerade darin sieht er ein probates Mittel, um leistungsschwa­chen Schülern individuell helfen zu können. "Schüler, die beispielsweise in Mathematik schwächeln, können anstatt der zwei Jahre gezielt über drei Jahre unterrichtet werden."

 

Diese Modulation sei unter ande­rem deshalb möglich, weil dank der Mittelschulverbünde trotz sinken­der Schülerzahlen die Anzahl der Lehrer gleich geblieben sei. Dieser Stundenüberhang könne nun in die Modulation einfließen. Was sich po­sitiv auf die individuelle und grup­penmäßige Förderung auswirke. Damit sei ein Baustein gesetzt, dass die Qualität des Hauptschulab­schlusses verbessert werden kann.

Was sich durch die Reform zudem verbessern werde, ist das Rundum-­Angebot. So werde in Zukunft je­dem Hauptschüler das komplette Angebot der Mittelschule zur Verfü­gung stehen. Auf dem Papier sei dies zwar bisher auch so gewesen, die Realität aber habe anders ausgesehen. "Vielen Jugendlichen war es wichtig, dass ihre Spezl an dersel­ben Schule waren, nicht aber, ob dort ihr gewünschter Fachbereich angeboten wird." Kein Wunder, wenn sich die schulischen Leistun­gen dann in Grenzen halten.

Für Pannermayr ist es schlicht­weg "eine Frage der Bildungsge­rechtigkeit" , dass die Schüler nun innerhalb ihres Schulverbundes zwischen den drei Fachbereichen Technik, Wirtschaft und Soziales frei wählen können. Hinzu komme das Angebot einer offenen oder geschlossenen Ganztagsschule sowie die Form der aktuellen Regelklasse, mindestens ein M-Zug, der die Mög­lichkeit bietet, den Abschluss der mittleren Reife zu erwerben. Dank der zusätzlichen 6.000 Euro, die der Freistaat für die Ganztagsbetreuung pro Klasse und pro Jahr zur Verfü­gung stellt, könne nachmittags Mu­sikunterricht, Theaterspielen und Malen ebenso gefördert werden wie zusätzliches Sporteln.

 

Hauptschulstandorte bleiben alle - vorerst

Bisher haben sich im Landkreis vier Mittelschulverbünde gebildet. Zudem sei es gelungen, sämtliche Hauptschulstandorte im Landkreis zu erhalten, "Vorerst, für das kommende Jahr", sagt Pannermayr und warnt vor allzu großem Optimismus. Langfristig gesehen werde ein Über­leben aller Standorte sicherlich nicht möglich sein. Dennoch sei mit der Zahl von meist 500 Schülern eine solide Basis geschaffen worden.

Dass die Schüler für eine umfas­sendere Ausbildung ab und zu wei­ter oder vielleicht auch öfter fahren müssen, sei Teil des Systems. Dass dies zu einem Reisetourismus im Landkreis ausarten wird, wie von Kritikern angeführt, wage er zu be­zweifeln, sagt Pannermayr. Schließlich pendelten die Schüler jetzt schon zum Teil zwischen mehreren Schulen hin und her. "Nun fällt pro Schule und Woche oft nur eine zu­sätzliche Fahrt an." Wer diese zusätzlichen Kosten schließlich bezah­len wird, kann er jetzt auch noch nicht sagen, er bestätigt aber, dass diesbezüglich "ernsthafte Verhand­lungen" stattfinden. Dabei herrsche der Tenor, dass davon - wie üblich - 60 Prozent vom Freistaat übernom­men werden sollen. Auch wenn sich die Gemeinden freiwillig zu den Schulverbünden zusammenge­schlossen haben "Konnexitäts­prinzip hin oder her."


 

"Fix ist nix" - hatte Schulrat Lud­wig Pannermayr Anfang Septem­ber bei einem Gespräch über die geplanten Mittelschulverbünde als Devise ausgegeben. Nach nur weni­gen Monaten kann er mehrere fixe Schulverbünde vorweisen.

So ha­ben sich die Hauptschulen Stall­wang, Mitterfels und Hunderdorf (Karte rosaroter Bereich) mit den Grundschulen Loitzendorf, Rattis­zell, Falkenfels, Ascha, Haselbach, Haibach, Neukirchen, Windberg zu einem Schulverbund zusammenge­schlossen. Ebenso fix ist der Ver­bund aus den Hauptschulen Bogen, Kirchroth, Parkstetten und Straßkirchen (Karte brauner Bereich) mit den Grundschulen Oberschnei­ding, Irlbach, Steinach.

Vorerst gesichert ist der violette Schwarzacher Schulverbund mit den Grundschulen Perasdorf, Nie­derwinkling, Mariaposching und Bernried (Kreis Deggendorf).

Die noch unentschlossenen Gemeinden befinden sich alle im grünen Be­reich.

Hier überlegen sich die Bür­germeister von Mallersdorf-Pfaf­fenberg, Feldkirchen, Leiblfing und Salching noch, wohin die Reise gehen wird. Ob sie zur Stadt Strau­bing tendieren, ob sie mit anderen Gemeinden einen eigenen Schul­verbund wagen oder ob sie sich mit Schulen des jeweiligen Nachbarlandkreises zusammenschließen werden.

Wie die Hauptschule in Rattenberg und die Grundschulen in Konzell und Sankt Englmar (in der Karte Deren Schulen werden einen Schulverbund mit Viechtach eingehen. "Dies ist ent­sprechend ihrer Lage durchaus nachvollziehbar", meint Panner­mayr. Die Hauptschule in Wiesen­felden wiederum orientiert sich in den Nachbarlandkreis Regensburg.


 


Straubinger Tagblatt, 29.12.09

 

 

 

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