Mittelschule vernichtet keine Hauptschulen- CSU-Infoabend zum Thema Mittelschule

Mittelschule vernichtet keine Hauptschulen- CSU-Infoabend zum Thema Mittelschule – Wunsch nach besserer Imagepflege

Das Thema „Mittelschule“ ist in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen, meinte man beim CSU-Ortsverband Mitterfels und organisierte im Gasthof Kernbichl einen Vortrags- und Diskussionsabend über „Die Mittelschule – eine Chance für die Hauptschule“.

Fragen wie „Hauptschul-Sterben“ und „Schülertourismus“ bleiben offen, meinte CSU-Ortsvorsitzender Sepp Simmel und begrüßte als Hauptredner Walter Taubeneder, MdL und Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport. Sein Landtagskollege Josef Zellmeier sah in der Bildung neuer Schulverbünde anstelle der Schulsprengel eine Chance gegen die Auflösung von Hauptschulen. Im Verbund ließen sich Probleme eher lösen um den Schulstandort zu erhalten. Das Übertrittverfahren an weiterführende Schulen hätte er sich allerdings restriktiver gewünscht. Es führe vielfach zu einem niedrigeren Leistungsniveau, betonte Zellmeier.

Ist die Hauptschule angesichts sinkender Schülerzahlen und steigender Übertritte an weiterführende Schulen nicht mehr attraktiv? fragte Walter Taubeneder. „Die sechsstufige Realschule mit ihrem Druck für die Schüler schon ab der dritten Jahrgangsstufe ist die falsche Entscheidung“, erklärte Taubeneder. Doch das Rad könne nicht zurückgedreht werden, die sechsstufige Realschule sei generell ein Erfolgsmodell. Nichtstun wäre jetzt falsch. Die Mittelschule vernichte keine Hauptschulen. Aufbauend auf dem Programm „Hauptschulinitiative“ unter dem früheren Kultusminister Siegfried Schneider wolle man der Hauptschule mit der Mittelschule ein neues Gesicht geben und in enger Verbindung mit der Wirtschaft verstärkt auf Berufsorientierung und Persönlichkeitsförderung der Schüler setzen. In der neuen Mittelschule soll in den drei Säulen Technik, Wirtschaft und Soziales vertieft ausgebildet werden. Dazu gehört die optimale Förderung von gut bis schwächer begabten Schülern ab der fünften Jahrgangsstufe und zusätzliche Förderstunden ab der sechsten Klasse. In den achten und neunten Klassen soll die berufliche Ausbildung gezielt vertieft werden. Eine Praxisklasse ist angedacht.

 

In den M-Zweigen ist nach wie vor der mittlere Schulabschluss möglich. Ein mit dem Realschulabschluss gleichwertiger, nicht aber gleicher Abschluss, so Taubeneder. Ziel der Mittelschulen mit ihren Schulverbünden sei es, die Schule so lange wie möglich am Ort zu halten. Der soziale Aspekt sei ebenso wichtig wie die individuelle Förderung des Einzelnen. Hier wirke sich die zunehmende Jugendsozialarbeit in der Schule positiv aus. Taubeneder wies aber auch auf die Verantwortung der Eltern hin: Fehlentwicklungen wie fehlende Schulabschlüsse gingen auch vom Elternhaus aus. Sehr gute Erfahrungen habe man mit den Ganztagsschulen mit Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung gemacht, berichtete Taubeneder. Hier hätten sich die Schülerzahlen ohne Hauptschulabschluss halbiert. Während die gebundenen Ganztagsklassen vom Staat finanziert werden, haben die Gemeinden die Kosten für die offenen Ganztagsklassen zu tragen. Auf den Schülertourismus eingehend meinte Taubeneder, das ließe sich im Rahmen der Schulverbünde so regeln, dass die Schüler nur einmal in der Woche fahren müssten. Die Schülerbeförderungskosten übernehme wie bisher der Staat. Die Regelung der Schulverbünde habe man bewusst den Bürgermeistern überlassen. „Die Bürgermeister sind längst selbst aktiv geworden“. Taubeneder brach nicht nur eine Lanze für die Hauptschulen, - „sie bieten eine hohe Bildungsqualität“, - sondern auch für das bayerische Schulsystem und seine Durchlässigkeit. „Auch Handwerksmeister können heute fachbezogen studieren“.

„Es kann nicht nur abstrakte Denker geben“, erklärte Schulrat Johannes Müller mit einem Blick auf die Pragmatiker unter den Schülern. Vor allem die Wirtschaft brauche Hauptschüler, deshalb wolle man mit der Mittelschule die Attraktivität der Hauptschule weiter ausbauen und verbessern. Vor allem auf dem Dienstleistungssektor könne man auf Menschen nicht verzichten. „Der Zusammenschluss von Hauptschulen ist unsere einzige Chance“, so Müller. Er sah keine Gefahr im „Schulbustourismus“: In den Schulverbünden lägen die Orte nicht mehr als 15 Kilometer auseinander, „wir fahren nicht kreuz und quer durch die Gegend“. Mitterfels sei in Kooperation mit Hunderdorf und künftig Stallwang gut aufgestellt, sagte Müller. Die stellvertretende JU-Kreisvorsitzende Zitzelsberger trat für eine Verschärfung der Übertrittsbedingungen ein und lobte die Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems. Die Mittelschule sollte, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ihr inhaltliches Niveau heben und mehr soziale Kompetenz entwickeln, auch in enger Zusammenarbeit mit Betrieben. Es seien mehr Praktika für die Orientierung für einen späteren Beruf wichtig, meinte Zitzelsberger.

Wer sich nicht zusammenschließt bleibt auf der Strecke

Schulverbandsvorsitzender Bürgermeister Heinrich Stenzel brachte es auf den Punkt: „Wer sich nicht in einem Schulverbund zusammenschließt, der bleibt auf der Strecke“. Er sah große finanzielle Probleme auf die Gemeinden zukommen: einmal für die Ganztagsklassen, - hier sollte der Staat die Finanzierung übernehmen -, zum anderen für die Schülerbeförderung. Sie werden nur zu 60 Prozent abgedeckt. Problematisch sei auch die Organisation des gesamten Verbundes durch einen Schulleiter. Auch hier sei noch nichts geklärt. Die vorgesehenen 1,72 Lehrerstunden pro Schüler reichten keinesfalls aus, um die Kinder in kleineren Klassen optimal zu fördern, erklärte Stenzel, verbunden mit dem Appell an die Staatsregierung, mehr Geld für die Schulverbünde und damit für die Bildung der Hauptschüler bereitzustellen.

In der nachfolgenden Diskussion ging es unter anderem um eine bessere Imagepflege der Hauptschule, - Politiker redeten Hauptschulen oft schlecht, meinten die Zuhörer, - um eine gute Zusammenarbeit mit dem Handwerk, um mehr Aufklärung und Mitarbeit der Schülereltern und einen späteren Übertritt an weiterführende Schulen, um den Druck auf die Schüler zu verringern.


Straubinger Tagblatt, 12.12.2009

 

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