Bürgermeister haben bis Februar Zeit, wenn sie im neuen Schuljahr dabei sein wollen

Nur noch vier "Wackelkandidaten" - Bürgermeister haben bis Februar Zeit, wenn sie im neuen Schuljahr dabei sein wollen


Die Zeit drängt - und doch auch wieder nicht. Welcher Bürgermeister aller­dings mit seiner Hauptschule schon im kommenden Schuljahr auf den Mittelschul-Zug aufspringen will, der sollte seinen Schulverbund und die Kooperationspartner bis etwa Februar nennen.

Dies wurde den Bürgermeistern und Schulleitern beim Dialogforum mit dem klingen­den Namen "Strukturentwicklung der Haupt- und Volksschulen im Landkreis und der Stadt" am Mitt­woch im Kulturforum in Oberalt­eich überzeugend vermittelt. Auf die Hauptfrage, wer die Kosten für die Schülerbeförderung übernehmen wird, gab es die Antwort, dass das Kultusministerium wünsche, dies „wie üblich" zu handhaben. Versprochen aber wurde nichts.


Die Bürgermeister im Landkreis sind für die Veränderungen in der Hauptschul-Landschaft gerüstet. Dies zeigte sich beim Dialogforum sehr eindrucksvoll. Und so gab es bei der anschließenden Pressekonfe­renz viel Lob von sieben Podiums­teilnehmern. Landrat Alfred Reisin­ger, Schulamtsdirektor Ulrich Pan­nermayr, Regierungspräsident Heinz Grunwald, Ministerialdiri­gent Dr. Peter Müller vom Kultus­ministerium und Bereichsleiter Jo­sef Schätz von der Regierung sowie Johannes Müller und Oskar Betz (beides Schulräte) betonten wieder­holt, dass die Bürgermeister, aber auch die Schulleiter der Haupt­schulreform grundsätzlich sehr po­sitiv gegenüber stünden.

 

Warum sind wir da?

"Warum sind wir eigentlich alle da?" , fragten die "Auswärtigen" anfangs plakativ und hatten natürlich zahlreiche Antworten vorbereitet. So meinte Regierungspräsident Grunwald, dass er einfach wissen wolle, was in seinem Regierungsbe­zirk so los ist. Und auch Ministerialdirigent Müller hatte eine Antwort parat: Er möchte hören, welche Fra­gen sich bei den Beteiligten ergeben. Diese könnten dann gleich ins Ge­setzgebungsverfahren eingearbeitet werden. "Deshalb bin ich schon bei vielen Dialogforen gewesen und kann nun sagen, jedes Dialogforum ist anders, jede Frage ist anders."

Grundsätzlich zeichne die Haupt­schule genau das aus, was Eltern haben wollten. "Eine Schule um die Ecke." Der Nachteil sei derzeit al­lerdings sei der, dass sich sehr viele Schüler auf viele Standorte aufteilen würden. Dadurch gäbe es zu viele kleine Schulen, in denen der Bildungsstandard nicht gehalten werden könne.

 

"Früh begonnen"

Einmütig stellten die drei Gäste der Regierung und des Staatsministeriums fest, dass die Gespräche bezüglich der Mittelschule im Landkreis und der Stadt Straubing weit gediehen seien. Diesen Vorsprung gegenüber anderen Kommunen führten sie darauf zurück, dass hier bereits früh mit den Gesprächen begonnen worden sei. "Ihr habt die Zeit genutzt" , lobten Grunwald, Müller und Schätz. Deshalb könnten sich die Beteiligten nun auf die inhaltlichen Fragen beschränken. Dementsprechend sachlich sei in den vergangenen Stunden diskutiert worden. „Auch hier kommt keiner an der demographischen Entwicklung vorbei." Nun gehe es darum, wie damit umgegangen werde.

Die Bürgermeister hätten schnell erkannt, dass es das Ziel sei, möglichst viele Standorte möglichst lange zu erhalten. Dies könne zwar nicht unendlich lange funktionieren, durch geschickte Zusammenarbeit mit Partnern könne die Mindestklassenstärke aber viel länger erhalten werden als bei Einzelkämpfern, meinte Pannermayr. Der Schulamtsdirektor war sichtlich erfreut von der Tatsache, dass von seinen "Schäfchen" nicht eines bei der Reform die Folgsamkeit verweigert. Und er weiß auch den Grund dafür. "Keiner möchte sich von den Eltern später vorwerfen lassen, dass er nicht alles Mögliche getan hat, um die Schule zu erhalten."

 

"Sind Handwerker-Region“

Auch Reisinger war stolz auf seine "verantwortungsbewussten Bürgermeister". Er ist von der Hauptschule in Form von Mittelschul-Verbünden überzeugt. "Wir brauchen die Absolventen", sagte er, schließlich sei der Landkreis eine Handwerker-Region, die gerade auf Hauptschüler angewiesen sei. Und natürlich seien beim Dialogforum alle interessanten Fragen gefallen. "Wer denn die Fahrten der Schüler zu den einzelnen Schulen bezahlen wird." Eine definitive Antwort darauf konnte Dr. Müller zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht geben. Er verwies "diese Kernfrage" auf das Gesetzgebungsverfahren, Allerdings signalisierte er, dass vonseiten des Kultusministeriums geplant sei, dass diese zusätzlichen Fahrten, wie alle anderen Fahrten, im Rahmen der Schülerbeförderung bezuschusst werden.

Beim Pressegespräch wurde auch über eine wichtige Neuerung informiert. So werde es nun im Landkreis Straubing-Bogen doch mehr Mittelschulverbünde geben. Kleinere Zusammenschlüsse seien auch eher im Sinne der Regierung, meinte Bereichsleiter Josef Schätz. Schließlich solle verhindern werden, dass man .sich alle zwei bis drei Jahre erneut. zusammensetzen und neue Gespräche führen muss. "Nur weil die Kooperationspartner aus irgendeinem Grund mit dem Verbund nicht mehr einverstanden sind."

Inklusive der Stadt Straubing ist derzeit von sechs Verbünden die Rede. Und auch die Mehrheit der Gemeinden habe sich bereits für einen Verbund entschieden. Lediglich Mallersdorf-Pfaffenberg, Feldkirchen, Salching und Leiblfing seien noch Wackelkandidaten, erklärte Pannermayr. Einzigartig sei allerdings der Beschluss der Stadt Straubing, sich – mit der Gemeinde Aiterhofen – als alleiniges Mittelsschulzentrum zu etablieren.

"Wollen nur mehr Qualität""

Allgemein bedauert wurden je­doch die Unstimmigkeiten in Sal­ching bezüglich des Verbundpart­ners. Hier habe eine voreilige Ent­scheidung des Gemeinderats bei den Eltern für Unmut gesorgt. Nun aber sei eine Informationsveranstaltung geplant, bei der die Eltern mitent­scheiden können, wohin für ihre Hauptschulkinder "die Reise" in Zukunft geht: ob nun nach Strau­bing oder zu einem anderen Ver­bund. Grundsätzlich sei es ihnen egal, welche Gemeinde mit wem und warum. "Uns geht es lediglich da­rum, die Qualität des Hauptschulab­schlusses zu verbessern." Auf keinen Fall sollten deshalb den Gemeinden Entscheidungen von oben nach un­ten aufgezwungen werden.


Straubinger Tagblatt, 10.12.2009

 

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