10 Jahre Biomasse-Heizwerk Mitterfels

Ein Nahwärmenetz für preisstabile Wärme

 

  • Zehnjähriges wird gebührend gefeiert

  • Festakt mit Landwirtschaftsminister Josef Miller

Landwirtschaftsminister Josef Miller kommt

Am heutigen Freitag wird anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Biomasseheizwerkes Landwirtschaftsminister Josef Miller in Mitterfels erwartet. Auf dem Programm steht um 14.30 Uhr eine Besichtigung des Heizwerkes mit Live­Musik des Musikvereins. Gegen 15 Uhr Festakt im Gasthaus Kernbichl. Geschäftsführer Josef Simmel wird das Heizwerk vorstellen, anschließend Grußworte von Landrat Alfred Reisinger, MdL Josef Zellmeier und Bürgermeister Heinrich Stenzel sowie die Ansprache von Landwirtschaftsminister Josef Miller. Auch eine kurze Diskussion über Probleme und Anregungen zum Betrieb des Heizwerkes ist vorgesehen. Anschließend wird sich Miller ins Goldene Buch der Marktgemeinde Mitterfels eintragen.

Seit gut zehn Jahren besteht das Biomasseheizwerk im Luftkurort Mitterfels. Am heutigen Freitag wird um 14.30 Uhr Landwirtschaftsminister Josef Miller zu einer Besichtigung im Heizwerk erwartet. Anschließend findet im Gasthaus Kernbichl ein Festakt mit Minister Miller, Landrat Alfred Reisinger, MdL Josef Zellmeier, Bürgermeister Heinrich Stenzel und Vertretern der Marktgemeinde statt. Miller wird sich dort in das Goldene Buch der Marktgemeinde eintragen.

Im Oktober 1997 ging das neue Hackschnitzelwerk in Mitterfels in Betrieb. Ein Biomassekessel mit 850 kW Nennleistung und zuschaltbarem Heizölkessel versorgte zunächst das nahe liegende Baugebiet Stockäcker, die Wohnanlage der Kreiswohnbaugesellschaft, das ehemalige staatliche Forstamt, die Haupt- und Grundschule, den Kindergarten, die Berufsfachschule, eine Schreinerei, eine Tankstelle, verschiedene Gewerbebetriebe und Wohnhäuser und, als größten Abnehmer, eine Gärtnerei. Ein willkommener "Sommerabnehmer" der Fernwärme ist das Mitterfelser Panoramabad. Insgesamt wurden bis heute 5,8 Kilometer Hauptleitung verlegt. Die Betreibergesellschaft besteht aus der Marktgemeinde Mitterfels, zwölf Landwirten und vier Privatpersonen. Geschäftsführer ist der Landwirt und Ingenieur Josef Simmel.

Bereits im Jahr 2005 wurde eine Erweiterung des Fernwärmenetzes notwendig, sodass heute die gesamte Burgstraße bis zur Kreismusikschule und der neue Edeka-Verbrauchermarkt an der Bayerwaldstraße angeschlossen sind. Anschlusszwang besteht nicht, es liegt jedoch auf der Hand, dass Fernwärme günstiger ist als eine herkömmliche Ölheizung. Heizanlage, Heizöllager und Kamin entfallen ebenso wie die laufenden Kosten für Brennerstrom, Kaminkehrer und Wartung. Der Biomasseeinsatz beträgt zurzeit 7000 bis 8000 Schüttraummeter (srm) Hackschnitzel pro Jahr, die damit erzeugte Wärmemenge entspricht einem Heizölverbrauch von 5,2 Millionen Litern oder rund 170 Tonnen. Damit wurden etwa 12500 Tonnen fossiles CO2 eingespart. Auch die Schwefel- und Stickoxydemissionen wurden entscheidend reduziert. Durch den Einbau eines hochmodernen Elektrofilters konnten die Feinstaubemissionen auf unter 30 Milligramm pro Kubikmeter Luft reduziert werden. Angesichts steigender Heizölpreise ist Nahwärme aus nachwachsenden Rohstoffen eine kostengünstige und preisstabile Wärme, sie ist krisensicher und umweltfreundlich und verursacht weder Geruch noch Lärm. Durch den Einsatz heimischer Brennstoffe bleiben etwa 150000 Euro für den Einkauf von Hackschnitzeln und sonstigem Bedarf in der Region. Unübersehbar ist der Vorteil des Nahwärmenetzes für den Luftkurort Mitterfels: Es wurden und werden auch künftig kamin- und emissionsfreie Neubaugebiete und Bereiche geschaffen. So ist es nicht verwunderlich, dass nach den neuesten Messungen die Mitterfelser Luft noch bessere Werte hat als vor zehn Jahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Heizwerk als "Pionierleistung" gewürdigt

Biomasse-Anlage in Mitterfels besteht seit zehn Jahren - Lob von Minister Miller

 

Bei, der Einweihung vor zehn Jahren habe man nicht gewusst, ob sich das Projekt bewährt. Heute dürfe man sicher sein: "Es hat sich gelohnt." Nur Lob hatte Land­wirtschaftsminister Josef Miller für das Biomasseheizwerk, das mit viel politischer Prominenz, bei strahlendem Sonnenschein und einem Ständchen des Musikvereins seinen zehnten Geburtstag feierte.

Eine Pionierleistung hätten die Gesellschafter des Heizwerkes, einem der ersten in Bayern, vollbracht. Der Anteil der Biomasse am Primärenergieverbrauch liege in Bayern mittlerweile bei fünf Prozent. Damit nehme der Freistaat deutschlandweit eine Spitzenstellung ein. Durch den Einsatz von Biomasse würden in Bayern jährlich rund sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart, betonte der Minister.

 

Große Resonanz bei Landwirten

Geschäftsführer Josef Simmel führte die Gäste in das Heizwerk, wo Minister Miller einen Blick in einen der bei den Heizkessel wagte, den modernen Elektrofilter besichtigte und sich die vollautomatische Steuerung erklären ließ. Im Gasthaus Kernbichl blickte Simmel dann auf die zehn Jahre Biomasseheizwerk zurück: Im Frühjahr 1996 brachte der damalige Bürgermeister Werner Lang mit Mit­gliedern der CSU-Fraktion den Antrag auf ein Nahwärmekonzept für die Marktgemeinde ein. Dank großer Resonanz bei Landwirten sei - trotz skeptischer Stimmen - wenig später die "Biomasseheizwerk Mitterfels Gdbr" mit zwölf Landwirten, vier Privatpersonen und der Marktgemeinde Mitterfels als Gesellschafter gegründet worden, Vorsitz Josef Simmel und Heribert Lehner.

Beschlossen wurde auch der Anschluss der Grund- und Hauptschule, des Frei- und Hallenbades sowie der Anschlusszwang des neuen Baugebietes Stockacker. Die der Gesellschaft auferlegten Bürgschaft in Höhe von rund einer Million Euro konnte durch Alfred Reisinger, damals Landtagsabgeordneter, auf 45 Prozent der Fördersumme reduziert werden, und das Projekt war gerettet. Vor drei Jahren wurde ein zweiter Kessel notwendig, heute sei das Werk zu 90 Prozent ausgelastet, so Simmel.

Gut fürs Luftkurort-Klima

Die Kosten für Heizöl seien in nur fünf Jahren um mehr als 90 Prozent gestiegen, rief er in Erinnerung, eine Ölmenge von 5,3 Millionen Litern habe gespart werden können, 14000 Tonnen Kohlendioxid seien eingespart worden. Von Bedeutung für den Luftkurort sei auch die Reduzierung von Feinstaubemissionen. In diesen' zehn Jahren habe es keinen Engpass in der Energieversorgung gegeben.

Von Weitblick und Engagement der Verantwortlichen sprach Minister Miller. Der Einsatz von Biomasse leiste einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung und bedeute gleichzeitig aktiven Klimaschutz. Als Brennstoff dienten Hackschnitzel aus Restholz, das bei der Waldpflege und Ernte anfällt.

Im Privatwald stecke noch ein erhebliches Potenzial an Energie, so der Minister. Daher komme der Mobilisierung dieser Reserven eine große Bedeutung zu. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe sei ein Schwerpunkt seiner Agrarpolitik, betonte Miller. "Wärme und Strom aus Stall, Wald und Feld haben Zukunft." Die Infrastruktur der Energieversorgung aus Biomasse in Bayern habe sich positiv entwickelt. Die Fortschreibung des Gesamtkonzeptes nachwachsende Rohstoffe sei beschlossen: Festbrennstoffe zur Wärmeerzeugung, flüssige Bioenergieträger für Mobilitätszwecke und Biogas zur Nutzung in einer Kraft-Wärme­Koppelung und Einspeisung in Erdgasnetze. Mit Blick auf das Heizwerk in Mitterfels erinnerte Miller an Fördermittel aus seinem Haus und an EU-Mittel in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro; die Erweiterung sei mit rund 134 Millionen Euro aus Landes­und EU-Mitteln unterstüt zt worden.

Wertschöpfung in der Region

Ein Vorzeigeunternehmen nannte Bundestagsabgeordneter Ernst Hinsken das Bioheizwerk. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels werde die Bedeutung der Biomasse immer weiter zunehmen. Bayern setze in der Nutzung nachwachsender Rohstoffe wichtige Akzente. Durch den Einsatz von Biomasse würden pro Jahr rund 2,5 Milliarden Liter Heizöl ersetzt und mehr als sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid ein­gespart.

270 bayerische Biomasseheizwerke und -heizkraftwerke seien ein wichtiger Beitrag, um von Heizöl unab­hängiger zu werden. Die Staatsmittel, die in die Region geflossen seien, kämen den Landwirten wieder zugute, sagte MdL Josef Zellmeier. Landrat Alfred Reisinger würdigte die Pionierleistung von Mitterfels. Die Entwicklung im Bereich nachwachsender Rohstoffe setze sich auch in Mallersdorf und Bogen fort, wo ebenfalls Biomasseheizwerke gebaut worden seien. Wertschöpfung und Wirtschaftskraft blieben in der Region. Bürgermeister Heinrich Stenzel sagte, die Marktgemeinde habe von Anfang an das Projekt Biomasseheizwerk und Nahwärmeversorgung unterstützt - nicht zuletzt des Luftkurort-Prädikates wegen.

 

Miller: Qualitativ hochwertiges Getreide gehört in den Futtertrog

Interview mit dem bayerischen Landwirtschaftsminister

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Mitterfelser Biomasse-Heizwerks war Landwirtschaftsminister Josef Miller zu Besuch und äußerte sich dabei auch zum Thema "Nachwachsende Rohstoffe". Dabei hob er hervor, dass qualitativ hochwertiges Nahrungs- und Futtergetreide in die Mühle und von dort in den Nahrungskreislauf beziehungsweise in den Futtertrog gehöre.

 

Wie wirkt sich die Zunahme von nachwachsenden Rohstoffen zur Herstellung von Biosprit auf die Lebensmittelpreise aus?

Miller: Die Auswirkungen sind sehr gering. Denn der Rohstoffkostenanteil liegt bei den Biospriter­zeugern über 50 Prozent, bei der Herstellung von Lebensmitteln wie Brot oder Bier beträgt er lediglich fünf bis zehn Prozent. Von steigen­den Rohstoffkosten sind daher die Biosprithersteller viel stärker be­troffen. Sie werden bei der Verteue­rung der Rohstoffe in eine schlech­tere Wettbewerbssituation kommen. Nicht zu vergessen, dass bei den Biokraftstoffen der ersten Ge­neration, also pflanzenölbasierten Kraftstoffen und Ethanol, der Acker höchstens zur Hälfte für die Energieerzeugung genutzt wird. Die anfallenden Bioprodukte wer­den als Futtermittel verwendet und dienen so wieder der Produktion tierischer Lebensmittel.

 

Wird die Besteuerung von Biodiesel bleiben?

Miller: Ich habe mich sowohl in der Agrarministerkonferenz als auch im Bundesrat vehement dafür eingesetzt, bei kritisch werdender Wettbewerbsfähigkeit von Biodie­sel gegenüber Mineraldiesel die zweite Stufe der Besteuerung der Reinkraftstoffe, die zum 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist, auszuset­zen. Agrarministerkonferenz und Bundesrat haben meine Haltung nachdrücklich unterstützt. Der Koalitionspartner SPD hat sich dieser angemessenen Anpassung der Biodieselsteuer an die Wettbewerbsverhältnisse jedoch verweigert.

Wie sieht es mit der Förderung von Biomasseheizwerken aus?

Miller: Die befristete Förde­rung von Biomasseheizwerken ab einem Wärmebedarf von 500 Megawattstunden pro Jahr ist zum Jahresende 2007 ausgelaufen. Ich bemühe mich derzeit darum, die Förderung zu den bekannten Konditionen zu verlängern.

 

Kann man die Verbrennung von Getreide zur Energieversorgung ethisch verantworten?

 

Miller: Qualitativ hochwertiges Nahrungs- und Futtergetreide gehört in die Mühle und von dort in den Nahrungskreislauf beziehungsweise in den Futtertrog. Bei der Nutzung von Getreide als Energieträger wird gezielt Energiegetreide angebaut, das für die menschliche Ernährung nicht geeignet ist, wie beispielsweise Triticale. Auch Auswuchsgetreide und Absortierung können als Energie­träger optimal verwertet werden. Nicht nur Nahrung ist ein Lebensmittel - Wärme ist es auch.

 

 

Interview: Elisabeth Röhn

 

 

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